Interview mit E.F. von Hainwald (März 2018)

Vielen lieben Dank, dass du dir Zeit nimmst, um meine Fragen zu beantworten.
Gerne möchten die Leser und ich ein wenig mehr über dich erfahren, daher würde es mich freuen, wenn du dich kurz vorstellst 🙂

Ich komme aus einem kleinen, verschlafenen Dörfchen, welches in einem bewaldeten Flusstal liegt. Meine Fantasie war mein bester Freund und ich war vermutlich die meiste Zeit nicht in dieser Realität. 😉

Meine Kreativität drückte ich stets in Bildern aus, vor allem in der Fotografie und Bildbearbeitung. Das Schreiben war eher Zufall, aber begeistert mich mittlerweile sehr.

Erstmal noch ein paar Fragen zum warmwerden.

Welche drei Worte beschreiben dich am besten? 
Direkt, kreativ und ver-rückt (wie ein Möbelstück – ich habe einen anderen Standpunkt) … eine liebe Freundin und Bloggerin würde vermutlich „quälend“ hinzufügen *grins *

Dem Wort “quälend”  stimme vollkommen zu! 😛 
Ihr habt euch doch verschworen! *lach*

Frühaufsteher oder Nachteule?
Aufstehen? Früh? Diese Worte kann man kombinieren?

*grins* schön wie unterschiedlich wir Menschen alle sind. Ich kann mit dem Begriff Nachteule nichts anfangen und bin total die Frühaufsteherin 😀
Bist du sicher, dass du menschlich bist? *am Kopf kratz*

Kaffee oder Tee?
Ich sollte Tee antworten – wirklich … ich sollte Tee nennen, aber … Kaffee!

Kaffee, mein Lebenselixier! Verstehe dich da völlig!
Amen


Berge oder Meer?
Ich liebe das Meer.

Entspannungsurlaub oder Abenteuer?
Ein entspanntes Abenteuer?

Dein liebstes Zitat?
Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein.
*Lach* was für ein Zitat!

Findest du neben dem Schreiben und deinem Brotjob noch Zeit zum Lesen?
In Schreibphasen nicht, da ich nicht versehentlich abkupfern möchte. Also schaue ich auch keine Filme in dieser Zeit. Der einzige Input, den ich mir da erlaube, ist Musik. In einer reinen Arbeitsphase lese ich allerdings täglich beim Morgenkaffee in der Sonne (… oder Lampe bei Regen).

Wie lange dauern deine Schreibphasen im Durchschnitt?  Oder: Wie lange hältst du es dann ohne Filme und Bücher aus? ^^
Am Anfang eines Buches so mal 1-2 Wochen durchgängig. Ab der Hälfte wird es dann 2-3 Monate. Aber keine Sorge – mein Kopfkino ist sehr lebendig und unterhält mich. 😉

Was ist dein Lieblingsbuch?
Hmmmh, schwer zu sagen. Wenn ich danach gehe, wie oft ich ein Buch gelesen habe, dann „Elantris“ von Sanderson. 


*Speichert sich schnell den Buchtipp* Elantris gehört ja in den Bereich Fantasy, welche Genres sind denn noch in deinen Bücherregalen zu finden?
Eigentlich querbeet: Fantasy, Science Fiction, Grusel, Zeitgenössisches… aber alles muss eine gewisse Art von Andersartigkeit in sich haben. Keinesfalls darf es reine Romantik sein, da langweile ich mich zu Tode! *den fliegenden Messern der Leserinnen ausweicht*
Nichts gegen eine schöne Liebesgeschichte, aber das darf bei mir nicht der Hauptaugenmerk in einem Roman sein, sondern eine wunderbare Ergänzung.

Na hast es geschafft allen Messern auszuweichen? *zwinker* Zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden! Genauso was die Wahl seines Lieblingsautoren angeht. 

Gibt es einen Autoren, den du Lieblingsautor nennen würdest?
Derzeit mag ich Ben Aeronovitch sehr. Sein Schreibstil ist herrlich witzig und spannend zugleich, die Charaktere einzigartig und auf gewisse Art grotesk. 

Schon wieder ein Buchtipp, der interessant klingt, hab ich mir mal in meine Favoriten gesetzt 😉 

Wenn du in deinen Arbeitsphasen bist, wie sieht da dein Schreiballtag aus? 
Ich nehme mir einen bestimmten Kapitelabschnitt vor und setze mich direkt ran. Ich höre nicht auf, bis ich diesen beendet habe – esse dabei nichts und trinke Kaffee. Wenn das Stunden dauert – egal! Sobald ich etwas zu mir nehme, war’s das. Dann bin ich in unsere Welt zurückgekehrt und kann schwer erneut in die andere überspringen.
Ein echtes Dimensionsportal oder doch nur reiner Wahnsinn? *zwinker *

Ich muss schon sagen, es klingt ein wenig nach Autorenwahnsinn!  Gibt es weitere Rituale, abgesehen vom Hungern? 😉
Ich hungere ja nicht – wirklich! Ich hab keinen Appetit, wenn ich schreibe. Neben dem Essenstick überarbeite ich Kapitelabschnitte immer solange, bis es passt, anstatt weiter zu gehen. Erst wenn das komplett okay ist, arbeite ich am Nächsten. Ich kann nichts unpoliert stehen lassen. Das ist ganz schön anstrengend, sag ich dir…

Das stelle ich mir ebenfalls sehr anstrengend vor. Steckt da etwa ein kleiner Perfektionist in dir?
Eher größer…das ist lebensfeindlich!

Gibt es denn etwas, das neben Kaffee auf gar keinen Fall beim Schreiben fehlen darf?
Musik! Ich liebe es, stimmungsvolle Musik dabei zu hören. Jedes Buch hat mittlerweile eine persönliche Playlist. Sobald ich zufällig ein Lied daraus mal höre, bin ich sofort im Geschehen meines Romans, mit genau den gleichen Bildern vor meinem geistigen Auge, wie beim verfassen. manche Lieder sind sogar Themen bestimmter Charaktere, die deren Art und Weise darstellen.

Eine Playlist für jedes Buch? Welche Titel hast du denn beim Schreiben von “Cyberempathy” gehört? 
Für dieses Buch habe ich meine alte Liebe für das Genre Synthwave und Outrun wiederentdeckt. Such dir z.B. mal »Run Vaylor – Steel Kingdom« (dann weißt du wie Lux tanzt), »Carpenter Brut – Turbo Killer« (wenn Rade aufdreht) oder »Infected Mushroom – Riders of the storm Remix« (ein Spaziergang durch die Oberstadt).
Aber diese Musik ist wirklich nicht Mainstream von der Stimmung…

An welchen Orten schreibst du am liebsten?
Im Park bei mir um die Ecke. Morgens und am frühen Nachmittag ist dort niemand. Ich setze mich auf einen erhöhten Platz und kann alles überblicken. Laptop und Coffee-to-go sei Dank … aber bei schlechtem Wetter oder wenn doch nebenher das Internet benötigt wird eben zuhause am Rechner.
 

Im Park zu schreiben stelle ich mir sehr idyllisch vor. Wie sieht es mit dem Arbeitsplatz zuhause aus? Eher chaotisch oder ordentlich? 
Ähhh …
*mit einem Arm einfach alles von der Tischplatte fegt *
*Scheppern, feuchtes Aufschlagen, metallisch-kullerndes Geräusch *
Ordentlich?
Vielleicht?

 

Ich habe deine bisher erschienenen Bücher “Geborene des Lichts” und “Geborene der Verderbnis” verschlungen. Doch kommen wir zu deinem neuesten Werk: “Cyberempathy”.
Was hat dich zu diesem Buch inspiriert?

Ich hatte vor ein paar Jahren immer wieder zwei Szenen in meinem Kopf: Ein essentielles Gespräch zwischen zwei meiner jetzigen Protagonisten und das Ende des Buches. Sie waren immer wieder da und so lebendig, dass ich es mir grob notierte.
Nun ist in den letzten Jahren viel in unserer Welt passiert – viele Dinge davon vor den Augen der Öffentlichkeit, aber noch mehr im Stillen. Es wurden Entdeckungen und gesellschaftliche Umwälzungen gemacht, die zwar publiziert, aber von der breiten Masse kaum wahrgenommen wurden. Menschen sind großartig darin, Dinge zu verharmlosen oder wegzuschauen. Das erschreckt mich gleichermaßen, wie es mich frustriert.
Plötzlich kamen diese beiden Dinge zusammen und formten »Cyberempathy«.


Mit “Cyberempathy” hast du mich sehr zum Nachdenken gebracht. Die Themen und technischen Entdeckungen/Entwicklungen hast du spannend umgesetzt und mir so einige Male Gänsehaut bereitet.  

Sehr gut – das war der Plan. 😛  

Zum Beispiel spielen Genetik und Kybernetik eine große Rolle in deinem Buch. Sind die Erfindungen und neuesten Techniken in deinem Buch deiner Fantasie entsprungen oder gibt es diese bereits in der Realität?
Du wirst es mir vermutlich kaum glauben – alles davon ist real. Ich habe nichts davon im Grundkonzept erfunden. Vieles davon wird bereits aktiv umgesetzt, nur hört man nichts direkt davon, solange man sich nicht mit diesen Fachgebieten aktiv auseinandersetzt. Der Bevölkerung werden derzeit nur kleine, charmante Endsysteme präsentiert.
Erinnerungskorrektur? Machen wir schon bei Trauma-Patienten.
Organe mit Technik ersetzen? Aber klar: z.B Gelenke und neuerdings auch mal ein Herz.
Häuser komplett technisch gesteuert? Schon längst.
Genetisch manipulieren? Design an Kindern wird bereits angewandt, Organe 3D-gedruckt oder sogar der Stoffwechsel kleinster Zellbestandteile bei Erwachsenen durch Proteine oder Viren aktiv verändert.
Technische Beeinflussung von Gefühlen? Verdammt … ja, auch das, durch Frequenzen.
Ursprünglich wollte ich Genetik und Kybernetik nicht eine so große Rolle geben. Bei der Planung des Buches zeigte sich jedoch, dass in all diesen Dingen Segen und Fluch der Zukunft liegt. Vor allem stellt es uns vor essentielle Fragen über uns selbst.


Es ist schon schwer vorstellbar, dass alle Techniken und Erfinden real sind, einerseits sind es Verbesserung zum Guten, doch andererseits stelle ich mir die Frage: Wohin wird das Ganze noch führen?

Welche Entdeckungen und gesellschaftlichen Umwälzungen bereiten dir am meisten Sorge? Vor welchen Erfindungen, die umgesetzt werden würden, hättest du am meisten Angst?
Ich habe grundsätzlich keine Angst vor neuen Erfindungen. Sorge bereitet mir, was die Menschen damit dann anfangen. Aber so ist das ja mit allem, nicht das Ding an sich ist böse, sondern die damit verbundenen Handlungen. Am Schlimmsten wäre jedoch für mich, wenn wir uns immer weiter selbst aufgeben, um einem trügerischen Gefühl der Sicherheit nachzujagen. Wir könnten jeden Tag rein zufällig von einem Auto überfahren werden – es gibt keine perfekte Sicherheit. Wer würde sich komplett in Styrophor einpacken, um dem zu entgehen? Das ist lächerlich und trotzdem gibt es viele Bereiche, wo wir immer übervorsichtiger werden und allem mit Misstrauen und Furcht begegnen – Situationen wie auch Menschen. Das Resultat? Im schlimmsten Fall: Terror und Krieg.

Und bevor wir nun in diesen ernsten Themen versinken, wenden wir uns mal anderen Bereichen deines Buches zu. Wie wäre es mit dem Schauort? Beim Lesen hatte ich das Gefühl die Stadt Skyscrape bildlich vor Augen zu haben. Was hat dir bei der Erschaffung dieser Welt geholfen? Hattest du ein bestimmtes Vorbild?
Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, wie man bestimmte Probleme zukünftig lösen könnte und welche Möglichkeiten uns schon jetzt dafür zur Verfügung stehen. Ich bin natürlich auch auf diverse Ansätze unserer Zeit gestoßen – zum Beispiel bei Platzmangel in Tokio und Hongkong, der schleichende Übergabe der Politik in die Hände der Wirtschaft unserer westlichen Welt, den zunehmenden Krankheitsresistenzen und bei immerwährenden kriegerischen Konflikte im Osten.
Ich weiß, das klingt alles schrecklich trocken … und oh ja … das ist es auch, wenn man sich damit theoretisch befasst.
Es wird jedoch abenteuerlich, wenn man sich hineinversetzt und in diesen Problemen lebt. Noch spannender wird es, wenn man in den vermeintlichen Lösungen dieser lebt und genau das habe ich versucht zu beschreiben. »Skyscrape« ist die Symbiose alle dieser Ergebnisse, wenn ich so tue, als würde ich es am eigenen Leib erfahren – mit all ihrem Zauber und Schrecken.

 
Der bildliche Schreibstil hilft sehr, deine Charaktere direkt vor Augen zu haben. Ich mag sie unglaublich gern. Sie sind einzigartig und sympathisch. Gibt es Vorbilder aus deinem Umfeld oder steckt ein Teil von dir in Leon, Rade und allen anderen?
Nebencharaktere, die nur kurz auftauchen sind reines Design, um eine Situation zu erschaffen. Alle Hauptcharaktere tragen jedoch Facetten von mir. Manche sind überspitzt oder absichtlich ins Gegenteil verkehrt, anders kombiniert … oder manchmal doch ganz ich selbst.
Ich gehe auch immer in diese Rolle hinein. Wie würde ich mich verhalten, wenn ich diese Arbeit hätte? Eine Situation dieser Art erleben würde, wenn ich so und so denken würde? Wie fühle ich mich, wenn mein Gegenüber so wäre?
Aber es braucht nur einen Anstoß von mir, den Rest übernehmen die Charaktere von selbst. Auf einmal stehen sie neben mir oder gleiten geisterhaft in mich und meine Finger fliegen über die Tasten und ganze Dialoge, von denen ich keine Ahnung hatte, erscheinen auf dem Bildschirm vor mir. Vielleicht gibt es sie ja wirklich und sie besuchen mich, um mir ihre Geschichten ins Ohr zu flüstern. 😉

Ich sag ja: Autorenwahnsinn *schmunzel* 

Welchen deiner Charaktere aus “Cyberempathy” würdest du in der Realität treffen wollen und warum?
Schwere Frage … ich denke Rade. Er ist jemand, zu dem ich aufsehen würde. Jeder seiner Fehler ist ein ehrlicher Teil von ihm, so etwas beeindruckt mich.

An welchem Projekt arbeitest du aktuell? Darfst du uns schon ein wenig darüber verraten?

Öööhhhh….

 

Haaaaa! Ich hab da etwas schönes entdeckt, das nach einer Fortsetzung deiner Lichtgeborenen-Reihe aussieht. Was wird uns Leser im dritten Band erwarten? 
Der erste Band war eher eine Liebesgeschichte mit Fantasyelementen, das zweite Buch wesentlich abenteuerlastiger. Der dritte Roman dieser Reihe wird dem Leser den Umfang der Geschehnisse endlich darlegen und soll die Geschichte zu einem Epos heben – ich hoffe, das bekomme ich hin. Einige Leser drohten mir schon mit Fackelzug und Mistgabeln, sollte das Buch kein wüdiger Abschluss werden. *grins*
Es gibt bereits auf meiner Webseite (www.hainwald.de) den Klappentext von »Geborene des Schicksals« zu entdecken – aber Achtung: man sollte ihn nicht lesen, falls man die ersten beiden Bände nicht schon kennt. Er ist zwar spoilerfrei, aber könnte trotzdem den Spaß einiger Wendungen der vorherigen Bücher nehmen.


Und nun die letzte Frage: Möchtest du deinen Lesern noch etwas mitteilen?
Manche Bücher geben euch keine Antworten, sondern wollen euch dazu bewegen, Fragen zu stellen und eure eigene Wahrheit zu finden. Manche Geschichten möchten Ecken und Kanten haben. Lasst euch darauf ein und hat Spaß dabei!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.